Familien im Fokus der Politik

Auf Einladung des Familienferienwerks der Diözese Rottenburg-Stuttgart und unter der Moderation der Schwäbischen Zeitung diskutierten die Bundestagskandidaten des Bodenseekreises am 29. August über familienpolitische Fragen im Familienferiendorf Langenargen. Eingeladen waren neben den Feriengästen auch interessierte Bürgerinnen aus den Nachbargemeinden. Einig war man sich auf dem Podium, dass Familien einen hohen Stellenwert für die Gesellschaft haben. Wie aber eine effektive Familienförderung aussieht, darüber gingen die Meinungen erwartungsgemäß auseinander.

Mit einem schwungvollen Lied stimmten Christa Hecht-Fluhr und Ulrike Schule zusammen mit den Kindern des Feriendorfes in den Familientag ein. Jörg Stein, der neue Geschäftsführer des Ferienwerks aus Stuttgart, begrüßte über 50 interessierte Zuhörer. Im Vorfeld hatte er zusammen mit der Leitung des Feriendorfs, Helga und Heinrich Kapp, einen informativen Parcours zu verschiedenen familienpolitischen Fragen aufgebaut: man erfuhr Neues oder konnte sich spielerisch mit familienpolitischen Themen  beschäftigen.
Tanja Poimer, Redakteurin der Schwäbischen Zeitung, stellte die Gesprächsteilnehmer auf dem Podium vor: Lothar Riebsamen (MdB, CDU), Jochen Jehle (SPD), Alexander Gaus (Grüne), Hans-Peter Wetzel (FDP), Annette Groth (MdB, Linke).  Als Fachmann für familienunterstützende Angebote der Caritas Bodensee-Oberschwaben war Martin Belser mit von der Partie.
„Familie ist dort, wo Kinder sind“, darüber waren sich alle einig, auch dass man die Vielzahl unterschiedlicher Familienformen in der heutigen Zeit anerkennen müsse. Die Bedeutung der Ehe im Zusammenhang von Familie wurde v.a. von Lothar Riebsamen unterstrichen. Alle stellten sich hinter die Vereinbarung von Beruf und Familie, eine qualitativ gute Kinderbetreuung, eine bessere Bezahlung der Erzieherinnen und mehr Ganztagesschulen. Ausgangspunkt der Diskussion war die jüngste Studie zur Förderung von Familien: selbst für Fachleute sei sie unüberschaubar. Kein Land zahle so viel für Familien wie die BRD, aber scheinbar  versande einiges davon. „Trotz des vielen Geldes ist der Nutzen v.a. für benachteiligte Kinder gering“, brachte es Annette Groth auf den Punkt. Deshalb sprachen sich alle dafür aus, die Anregungen der  Familien-Studie bald umzusetzen. Spannend und kontrovers wurde die Diskussion, wenn es konkret wurde: so sprach sich Lothar Riebsamen für eine Erhöhung des Kindergeldes und eine Förderung des Eigenheimbaus für Familien aus. Alexander Gaus warb für eine Kindergrundförderung – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Hans-Peter Wetzel setzte sich für flexiblere Öffnungszeiten in  Kitas und einen Ausbau der Ganztagesschulen ein. Jochen Jehle sieht großen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für Familien und will deshalb eine Mietpreisbremse und mehr sozialen Wohnungsbau.
Als jemand der weiß, wo Familien der Schuh drückt, brachte Martin Belser immer wieder konkrete Erfahrungen aus der Arbeit der Caritasberatungsstellen ein:  Er möchte das Gießkannenprinzip in der Familienförderung beenden und fordert weitere steuerliche Entlastungen für Familien, wie sie das Bundesverfassungsgericht angeordnet hat. Lebhaft wurde die Debatte durch Fragen aus der Zuhörerschaft zum demographischen Wandel, zur Pflege und zur Rente. Einer fragte die einzelnen Kandidaten, woher sie konkret das Geld für Familie und Bildung nehmen wollen. Je nach parteipolitische Profil fielen die Antworten entsprechend aus: die Vertreter von CDU und FDP setzen auf Wirtschaftswachstum, Eigenverantwortung, auf Sparen und Optimieren der Förderlandschaft sowie auf die Rente mit 67; SPD und Grüne wollen moderate Steuererhöhungen für Besserverdienende und eine Bürgerversicherung; die Grünen möchten zusätzlich das Ehegattensplittung ab € 100.000 Einkommen  abschmelzen zugunsten einer Kindergrundsicherung. Die linke Kandidatin schloss sich dem an und sprach sich außerdem dafür aus, bei den Ausgaben für Rüstung zu sparen.
Jörg Stein dankte den Politikern für die lebhafte Debatte mit einem „Vergiß-mein-nicht „in der Hoffnung, dass sie nach der Wahl die Kinder und Familien nicht vergessen.