Festabend: 200 Jahre katholisches Dekanat

„Dankbar rückwärts, mutig vorwärts, gläubig aufwärts“, mit diesen Worten begrüßte Dekan Reinhard Hangst die vielen Gäste aus nah und fern, die am 26. Oktober 2012 zum Jubiläumsfest gekommen waren, darunter Domkapitular Paul Hildebrand, Landrat Lothar Wölfle, der evangelische Schuldekan Frank Eberhard und der Dekan des badischen Nachbardekanats, Peter Nikola. Besonders würdigte er alle ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die ehemaligen Dekane Erich Legler und Franz Scheffold.


Reinhard Hangst erinnerte an interessante Veranstaltungen im Jubiläumsjahr: der gut besuchte Vortrag im April von Professor Paul Zulehner zum Thema „Kirchenvisionen – oder wie wir aus der Kirchendepression kommen“ und eine Busexkursion im Mai durchs Dekanat zu Kirchen aus sieben Jahrhunderten. Im Juli machten sich Pilgerinnen und Pilger aus allen Seelsorgeeinheiten auf nach Tettnang zur Dekanats-Sternwallfahrt – Dekanatssitz bis zur Kreisreform.

Abschluss und Höhepunkt des Jubiläums war der Festabend im Haus der kirchlichen Dienste. Mit einem geistlichen Impuls und dem gemeinsam gesungenen „dona nobis pacem“ eröffnete Dekan Hangst den Abend. Danach stellte er die eigens zum Jubiläum gedruckte Dekanatskarte vor. Diese soll veranschaulichen, welche Einrichtungen zum Dekanat Friedrichshafen gehören und was ihre Fachdienste an Seelsorge, Bildung und Beratung bieten.

Einen interessanten Rückblick in 200 Jahre Kirchengeschichte eröffnete der Festredner, Dr. Elmar L. Kuhn. Der langjährige Leiter des Kreiskulturamts zeigte, dass der Konflikt zwischen einer rückwärts gewandten ultramontanen Zentralkirche und Reformern, die die Kirche den Erfordernissen der Moderne anpassen wollen, nicht neu ist. Auf seiner Reise in die Geschichte führte er die Zuhörer von der barocken Reichskirche über die aufgeklärte Staatskirche und die ultramontane Papstkirche bis in unsere Zeit, die er mit den Worten Zulehners als „Erosion der Gnadenanstalt“ beschrieb. Sein Vortrag stimmte nachdenklich und setzte Impulse für die Bewältigung der derzeitigen Kirchenkrise. Kuhn schloss versöhnlich, indem er Bischof Fürst zitierte: „Wir dürfen gewiss sein, dass in allem was wir erleben, Gottes Geist am Werk ist…wir dürfen ihm vertrauen, dass er den Weg auch für unsere Zeit kennt“.

In drei Gesprächsrunden unter der Moderation der Dekanatsreferentin, Christa Hecht-Fluhr, kamen die Gäste zu Wort. Den Anfang machte Domkapitular Hildebrand, der aus Sicht der Diözesanleitung über Pastoralvisitation und Dialogprozess sprach. Die Anwesenden ermahnte er: „Wir müssen auch loslassen und dürfen uns nicht überfordern, weil uns das die Freude am Dienst raubt“. Das gelte für Haupt- und Ehrenamtliche. „Im Blick von außen“ hob Landrat Wölfle in seinem Statement lobend die vielen Schnittmengen zwischen Landkreis und Dekanat hervor – vor allem im sozialen und kulturellen Bereich. Nachdenklich stimmte der evangelische Schuldekan Frank Eberhard, der nicht nur kirchlich engagierten Menschen sagte, man solle auch mal „aussteigen aus dem Hamsterrad des Müssens und zur Ruhe kommen“. Peter Nikola erklärte, dass er mit Freude Pfarrer und Dekan sei, trotz der Doppelbelastung.

Im „Blick nach innen“ sprachen Bernhard Vesenmayer, Brigitte Tauscher-Bährle und Linda Schmid von ihren Erfahrungen als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen. Im Zusammenhang mit dem Dialogprozess lobten sie Bischof Fürst und wünschten ihm, dass er weiter mutig vorangehe.
Für musikalischen Schwung sorgte ein Vokalensemble unter der Leitung von Nikolai Gersak, das mit „Liedern aus zwei Jahrhunderten“ durch den Abend führte. „Großer Gott wir loben dich“, sagen die Gäste, bevor der Abend mit Gesprächen am Buffet ausklang.