Spurensuche in schwierigen Fragen

Unter den 280 Teilnehmern waren auch 30 Delegierte aus dem Dekanat Friedrichshafen. Sie befassten sich mit aktuellen Herausforderungen der katholischen Kirche.Beim ersten von vier Regionalforen in der Diözese wurden die Fortschritte in dem seit März 2011 laufenden Dialogprozess gesichtet. In Biberach ging es vorallem um den kirchliche Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und die Chancen von Frauen auf verantwortungsvolle Positionen in der Kirche. Zum Auftakt betonte Bischof Gebhard Fürst, die Regionalforen könnten keine Entscheidungsforen sein. Es gehe darum, das bisher im Prozess Gehörte zu bündeln und es für den weiteren Prozess der Erneuerung zu nutzen.

Im Dialogprozess zeigte sich bisher, dass eine deutliche Mehrheit von Katholiken sich einen barmherzigeren Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen wünscht. Ordinariatsrat Joachim Drumm betonte als „perspektivische These“, dass beim grundsätzlichen Festhalten an der Unauflöslichkeit der sakramental geschlossenen Ehe eine Zweitehe „nicht einfach als fortdauernder Ehebruch verurteilt werden, sondern je nach Situation auch als verantwortungsvoller Ausweg toleriert werden“ solle. Die Frage nach der Erteilung von Absolution nach der Beichte und der Zulassung zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene sei auch eine Frage an das Selbstverständnis von Kirche als Ort der Versöhnung und an das Verständnis von Eucharistie, sagte Drumm. Bischof Fürst betonte in Biberach wiederum, er habe sein Versprechen eingelöst und die Frage nach dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz eingebracht. Er hoffe, dass eine dort gebildete Arbeitsgruppe bald Wege aufzeigen werde, z.B. im Hinblick auf arbeitsrechtliche Fragen.

Zur Frage der Führungsverantwortung von Frauen sprach Ordinariatsrätin Ute Augustyniak-Dürr, eine von vier Frauen in der Diözesanleitung. Sie betonte, dass es für die Zurücksetzung  von Frauen keinerlei biblisch Rechtfertigung gäbe.  Augustyniak-Dürr unterstrich, dass ein Zugang von Frauen zum sakramentalen Weiheamt der Kirche dogmatisch und kirchenrechtlich derzeit nicht möglich sei, es aber zahlreiche haupt- und ehrenamtliche Arbeitsfelder und Entfaltungsmöglichkeiten für Frauen gebe. Sie ergänzte: „Wenn wir die Frage der Wertigkeit der Frau und die Frage nach der Zulassung zu Ämtern von vornherein vermischen, folgt aus der Nichtzulassung zu Ämtern automatisch eine Herabsetzung der Frau im Sinne mangelnder Gleichwertigkeit.“

Die Ordinariatsrätin.ermunterte Frauen zu Optimismus. Allein im vergangenen Jahrhundert hätten sich auch in der katholischen Kirche große Fortschritte gerade auch in Fragen der Frauenrechte ergeben. „Wenn wir wirklich ernst machen mit der christlichen Botschaft, dann wird unser Miteinander auch unsere Strukturen verändern.“ Bischof Fürst wies darauf hin, dass seine Diözese seit Jahren die Chancen auf Führungsverantwortung für Frauen besonders fördere. Die Kirche brauche die Kompetenz von Frauen und deren spezifisches Charisma.

In einer Podiums- und Plenumsrunde brachten Delegierte ihre Erfahrungen aus dem kirchlichen Alltag vor. Sowohl Ehepaare in Krisen wie auch solche nach Scheidung oder einer zweiten Eheschließung müssten sich voll angenommen fühlen können. So berichtete der Ulmer Dekan Matthias Hambücher vom Gespräch mit einer Frau, die mit einem geschiedenen Mann verheiratet ist. Sie habe, so Hambücher, der Kirche verbittert vorgeworfen, sich moralisch über andere erheben, wo sie sich doch moralisch selbst stark verfehlt habe. Der Dekan mahnte, solche Probleme nicht mit rechtlichen Formeln lösen zu wollen. Vielmehr sei ein offenes und einladendes Miteinander mit Menschen anzustreben, die in ihrer Ehe gescheitert sind.

Bischof Fürst zeigte sich tief betroffen. Zum einen verwies er auf das Jesuswort von der Unauflöslichkeit der Ehe. Die modernen Herausforderungen an die Ehe seien allerdings teilweise enorm. Von Jesus vorgelebte Barmherzigkeit, Zuwendung und Liebe gelte es konkret zu vermitteln.

Mit Blick auf die Stellung von Frauen in der Kirche betonte Diözesanrätin Margret Kehle, Frauen fühlten sich trotz allen theoretisch anderslautenden Stellungnahmen vielfach als Menschen zweiter Klasse. „Auf Augenhöhe und gleichwertig“ am kirchlichen Leben beteiligt zu sein, das wünsche sie sich als Frau. „Wir wollen keine Notnägel sein.“ Als drängendes Problem etwa nannte die Delegierte, dass Seelsorgerinnen beispielsweise die Krankensalbung nicht spenden dürften. Kehle verlangte eine konsequente theologische Aufarbeitung solcher Problemfelder. Dekan Hambücher fügte hinzu, dass Frauen im katholischen Seelsorgedienst sich gegenüber evangelischen Kolleginnen zurückgesetzt fühlten. Grundsätzlich erkenne er die Frage nach Frauen in der Kirche als solche an das christliche Menschenbild. Nach diesem Bild müssten Männer und Frauen  die gleichen Entfaltungsmöglichkeiten haben.