Überwältigt von der Herzlichkeit Südindiens

Weltkirchliche Erfahrungen sammelten 36 Reisende aus der Seelsorgeeinheit Argental und dem Dekanat Friedrichshafen auf ihrer Studien- und Pilgerreise durch Südindien. Nach 13 eindrucksvollen Tagen landete die Gruppe Mitte Februar wohlbehalten im 40 Grad kälteren Deutschland – dankbar für dieses große Erlebnis und einem neuen Blick auf Indien und seine Menschen. Die Initiative für diese Reise hatte Pfarrer Safi Powath, der aus Kerala stammt und seit fünf Jahren in der Seelsorgeeinheit Argental Dienst tut.

Christen stellen in Kerala 25 % der Bevölkerung. Sie führen ihre Gründung auf das Jahr 70 n.Chr. und den Apostel Thomas zurück. Die Thomas-Christen feiern Gottesdienst nach dem „syro-malabarischen Ritus“. Dieser kam durch syrische Christen ins Land, die sich dort im 1. Jahrhundert als Kaufleute niedergelassen haben. Inzwischen ist die Kirche mit der römisch-katholischen Kirche uniert. Mit Erstaunen vernahm die Gruppe vom hinduistischen Reiseleiter, dass die Religionen im Süden des indischen Kontinents - im Gegensatz zum Norden - friedlich zusammenleben: „leben und leben lassen“ sei die Devise von Hindus, Christen, Muslimen und Buddhisten. Wer durchs Land fährt versteht, dass  Kerala „Gottes eigenes Land“ bedeutet. Wo man hinschaut, grünt und blüht es: Kokospalmen, Bananenstauden, Gewürze, Tee, Kaffee, Reis und Blumen prägen das Landschaftsbild. Die gute Ausbildung vieler Keralesen sorgt für bescheidenen Wohlstand – auch wenn ärmliche Behausungen am Straßenrand zeigen, dass die Entwicklung im Schwellenland Indien gerade erst begonnen hat. Auch ist hinsichtlich der Umwelt- und Müllthematik noch einiges zu tun. Dafür haben die Südinder manchem Deutschen etwas voraus in Punkto Freundlichkeit und Offenheit Fremden gegenüber. Nicht nur Kinder winkten vom Straßenrand und sind gerne für ein „Fotoshooting“ bereit.

Neben touristischen Sehenswürdigkeiten standen bei dieser Pilgerreise v.a. Begegnungen auf dem Programm. Überall wurden die Gäste aus dem Bodenseekreis aufs Herzlichste begrüßt, sei es im Priesterseminar, vom Bischof oder in der Heimatgemeinde von Pfarrer Safi, wo Hunderte den Straßenrand säumten und einer der Reiseteilnehmer sagte: „wir werden begrüßt wie die Fußballnationalmannschaft“. Überrascht war die deutsche Gruppe über die Glaubensfreude von Kindern und Jugendlichen und einen nahezu 100 %igen Gottesdienstbesuch. Schön war auch die Begegnung mit den Mädchen aus Kannur im Norden Keralas. Dort unterstützt Pfarrer Safi ein Heim für Waisen und Mädchen aus schwierigen Verhältnissen. Damit sie nicht auf der Straße landen, bekommen sie dort Unterkunft und Ausbildung. Die Reiseteilnehmer konnten sich überzeugen, dass das im Argental gesammelte Spendengeld ankommt und gut angelegt ist.