Vom Projekt Gemeinde zur Kirche am Ort

Über 60 Pfarrer, pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowie Dekanatsräte kamen ins Roncallihaus nach Ailingen. Sie hörten interessiert zu und diskutierten das Vorhaben engagiert und kritisch. Diese Auftaktveranstaltung markiert den Beginn eines 5jährigen pastoralen Entwicklungsprozesses, dem sich alle Dekanate stellen müssen. Richtig los geht es nach der Kirchengemeinderatswahl im März 2015, deren Motto auf das hinweist, was die neuen Kirchengemeinderäte erwartet: „Kirche verändert sich – ich bin dabei!“

Zwei Jahre lang arbeitete eine diözesane Projektgruppe an der Weiterentwicklung der Pastoral in den Gemeinden und Seelsorgeeinheiten der Diözese. Dabei geht es nicht um ein neues Konzept – denn die Diözese Rottenburg hat viele gute Konzepte. Es bedarf vielmehr einer Strategie, zukunftsweisende Konzepte besser umzusetzen. In Gesprächen zwischen Vertretern der Gemeinden und des Bischöflichen Ordinariats wurde in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich, dass Probleme da sind, die angegangen werden müssen. Dies war auch ein Ergebnis des Dialog- und Erneuerungsprozesses der letzten beiden Jahre. Auf Gemeinden hin „brennen“ vor allem diese Themen: die zurückgehende Zahl an Priestern, die Altersstruktur der Gemeinden, die Überforderung vieler hauptberuflicher und ehrenamtlicher Dienste. Studien belegen außerdem, dass viele Menschen anderes von der Kirche erwarten, als das was sie in ihren Gemeinden erleben. Und nicht wenige, die „noch“ dabei sind, sind sehr kritisch eingestellt.
Folgende „Orientierungslinien für die Pastoral“ wurden dem Diözesanrat von der Projektgruppe zur Entscheidung vorgelegt und dort als Eckpunkte einer strategischen Entwicklung der Diözese angenommen:

       Zur Ausrichtung der Pastoral:
1.    Die Pastoral orientiert sich an der Lebenswirklichkeit der Menschen;
2.    Caritatives Handeln bildet einen Schwerpunkt.
3.    Ein verlässliches Angebot von Gottesdiensten soll sichergestellt werden.
       (Eucharistiefeiern und Wort-Gottes-Feiern)
4.    Die Verkündigung setzt beim Leben der Menschen an.
5.    Die ökumenische Zusammenarbeit wird gestärkt.

       Zum Personal in den Gemeinden:
6.    Gemeindeleitung muss gewährleistet und Pfarrer sollen entlastet werden;
7.    Verbindliche Fortbildung der pastoralen Dienste und entsprechende
       Fortbildungsangebote für ehrenamtliche Führungspersonen.
8.    Die Stellenplanung soll an die veränderten Bedingungen angepasst
       werden.

       Organisation der Pastoral:
9.    Die Seelsorgeeinheiten werden – wo möglich – eine handlungsfähige
       Rechtsperson.
10.  Das Dekanat wird als mittlere Leitungsebene befristet personell und
       ausgebaut und dauerhaft gestärkt.