Das Dekanat Friedrichshafen und seine lange Geschichte

Die Entstehung zahlreicher neuer Pfarreien führte im frühen 12. Jahrhundert zur Einführung der Dekanate als untere Verwaltungseinheiten im großen Sprengel der Diözese Konstanz. Über die Entstehungszeit des Dekanats Theuringen wird nichts überliefert. Sie ist analog zu anderen Dekanaten in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts anzusetzen.

Als erster Beleg für seine Existenz darf die Eintragung des „Otto decanus“ im ältesten, vor 1191 niedergeschriebenen Nekrolog (Totengedenkbuch) des Benediktiner-Klosters (Alt)Buchhorn gelten.  Schon 1191 folgt die urkundliche Nennung des Dekans Heinrich in Taldorf, um 1221 wird der Dekan in Hasenweiler erwähnt. Im „liber decimationis“ der Diözese Konstanz aus dem Jahr 1275 werden 64 Dekanate aufgeführt. Von da an lässt sich die Entwicklung der Dekanate gut verfolgen. Sie waren nicht nur Verwaltungsbezirke, die Geistlichen der Dekanate bildeten als Landkapitel zugleich eine zunftähnliche Gemeinschaft mit regelmäßigen Zusammenkünften, die teils der Abhaltung von Jahrtagen für die Verstorbenen, teils der Beratung und Beschlussfassung anstehender Fragen diente.

Das Dekanat Theuringen (der Name wechselte je nach dem Dienstsitz des amtierenden Dekans) verlief am Ostrand des Linzgaus als schmaler Streifen von Eriskirch und Buchhorn (alter Name für Friedrichshafen) im Süden bis nach Königseggwald im Norden. Bei einer Länge von 35 km war es nicht breiter als 14 km, in der Mitte (bei Horgenzell) war es sogar nur 6 km breit. Bis auf einige Wohnplätze östlich der Schussen, die von Kehlen und Brochenzell aus pastoriert wurden, folgte es der alten karolingischen Grenze des Linzgaus. Die Gebiete östlich der Schussen gehörten zu den Dekanaten Ravensburg und Lindau.

Nach der Neuordnung Europas durch Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Angleichung der Diözesangrenzen an die neuen Landesgrenzen. Nach dem Tod des letzten Konstanzer Bischofs wurde der auf Württemberg entfallende Teil im Frühjahr 1817 vom Konstanzer Ordinariat abgetrennt und dem Generalvikariat Ellwangen unterstellt.   Das übersiedelte noch im selben Jahr nach Rottenburg, so dass hieraus 1828 die württembergische Diözese Rottenburg entstand, der fortan  fast alle Pfarreien Friedrichshafens (und des heutigen Dekanats) angehörten. Eine Ausnahme bildet die Pfarrei in Kluftern, die in der Diözese Konstanz verblieb, bis diese aufgelöst und durch das neue badische Erzbistum Freiburg ersetzt wurde.

Auch die Dekanatseinteilung wurde seit 1808 schrittweise den neuen Landesgrenzen angepasst. Das Landkapitel (Dekanat) Theuringen war seit 1806 definitiv von der neuen Landesgrenze zwischen Baden und Württemberg, das Landkapitel Lindau seit 1810 endgültig von der württembergisch-bayrischen Grenze durchschnitten. Das Landkapitel Theuringen verlor 1811 die badischen Pfarreien Bergheim, Urnau, Homberg, Limpach und Illmensee an das Dekanat Linzgau. Zur Angleichung an die seit 1810  bestehende staatliche Verwaltungseinteilung verlor es außerdem seine nördlichen Pfarreien an die Dekanate Saulgau (1810) und Ravensburg (1812). Ersatz erhielt es mit den östlich der Schussen gelegenen Pfarreien des Oberamtsbezirks Tettnang, die vorher zu den Dekanaten Ravensburg und Lindau gehörten.

Diese Schwerpunktverlagerung führte dazu, dass der nun am äußersten Rand des Dekanats gelegene Pfarrsitz Oberteuringen hinter der neuen Oberamtsstadt Tettnang zurücktreten musste. Mit der Umbenennung des „Dekanats Theuringen“ in „Dekanat Tettnang“ erlosch im Jahr 1812 das rund 700 Jahre alte, erst nach Ailingen, dann nach Buchhorn und schließlich nach Theuringen benannte Landkapitel des östlichen Linzgaus.

Mit der Errichtung des Bodenseekreises 1972 und der Ernennung Friedrichshafens zur Kreisstadt, musste die Oberamtsstadt Tettnang nicht nur den Sitz der Kreisverwaltung, sondern nach 160 Jahren auch den Dekanatssitz abgeben. Dem folgte auch die Umbenennung des Dekanats. Erster Dekan des neuen Dekanates Friedrichshafen war Monsignore Robert Steeb, Pfarrer von St. Nikolaus in Friedrichshafen. Seine Nachfolger im Amt waren Monsignore Erich Legler, Pfarrer von St. Columban in Friedrichshafen (1984 – 1996), Franz Scheffold (1996 - 2004), Pfarrer von St. Martinus in Langenargen und St. Wendelinus in Oberdorf und Reinhard Hangst (2004-2018), Pfarrer im Argental mit St. Martinus in Goppertsweiler, St. Dionysius in Hiltensweiler, St. Georg in Krumbach, St. Peter und Paul in Laimnau, St. Maria Rosenkranzkönigin in Neukirch, St. Margaretha in Obereisenbach, St. Martinus in Tannau und St. Georg in Wildpoltsweiler. Aktueller Dekan ist Bernd Herbinger (2018- ), Pfarrer von St. Nikolaus, St. Columban, St. Petrus Canisius und S. Caterina da Siena in Friedrichshafen.